Lineare Menschen in einer exponentiellen Welt

Unsere Welt verändert sich gerade in einer unglaublichen Geschwindigkeit und dennoch wird sie sich nie wieder so langsam verändern wie heute, sagte Justin Trudeau (Premierminister Kanadas) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos*.

 

Das klingt paradox ist aber ein Zustand, der andauern wird. Was das für Dich bedeutet und warum Du es nicht ignorieren kannst, schreibe ich in diesem Artikel.

Was bedeutet exponentiell?

Eine exponentielle Entwicklung ist eine Entwicklung, bei der sich die Geschwindigkeit der Veränderung permanent erhöht. Grafisch dargestellt ergibt sich daraus eine Kurve, die einem auf dem Rücken liegenden Hockey-Schläger ähnelt. Lange Zeit tut sich gar nichts. Die Kurve verläuft nahezu parallel zum Boden. Dann kommt der Teil des Schlägers, der den Ball oder den Puck treffen soll – die Kurve hebt rasant ab und steigt schnell nahezu senkrecht nach oben.

Beispiele für exponentielle Entwicklungen aus dem Alltag

Wenn Du in den 2000 Jahren Videos aufnehmen, schneiden und ansehen wolltest, dann brauchtest Du dafür eine Videokamera, die gut 500g oder mehr wog. Einen großen PC mit teurer und ungewöhnlich leistungsfähiger Hardware und einen Röhrenfernseher von aus heutiger Sicht gigantischen Ausmaßen. Das alles hat umgerechnet mehrere Tausend Euro gekostet und sehr viel Platz benötigt. 

 

Heute ziehst Du dafür Dein Smartphone aus der Hosentasche. Das muss für den Zweck noch nicht einmal ein Top Modell sein. Mittelklasse reicht da völlig aus. Zusätzlich hilft es Dir bei der Navigation, zeigt Dir den Wetterbericht, verwaltet Deine Termine, schaltet das Licht an und aus, spielt millionen von Videos und Musiktiteln und enthält ein immer aktuelles Lexikon, dass viel mehr Inhalt hat, als der große Brockhaus in 24 Bänden aus meiner Kindheit. Die Liste könnte ich endlos weiter fortführen.

 

Morgen reicht für den gleichen Zweck eine Smartwatch am Handgelenk und in wenigen Jahren könntest Du intelligente in-ear Lautsprecher mit einer Kontaktlinse kombinieren, die auf Sprache reagieren und Informationen auf die Netzhaut projizieren. Noch etwas später musst Du mit den Geräten nicht mehr sprechen, sondern nur noch denken.

 

Klingt nach ferner Zukunft? Nein. An all diesen Dingen wird schon gearbeitet und es gibt zum Teil dafür schon funktionierende Prototypen.

Ein Gedankenexperiment

Stelle Dir einmal vor, Du stündest vor Deiner Haustür und würdest 30 Schritte gehen. Ganz normale Schritte. Jeder etwa 70cm weit. Wo kämst Du dann an? An der Straße vor dem Haus? Bei Deinem geparkten Auto? Dir fällt bestimmt etwas ein.

 

Jetzt stelle Dir vor Du würdest wieder vor Deiner Haustür starten. Jeder Deiner Schritte wäre jetzt aber doppelt so weit, wie der vorherige. Also der erste Schritt 70cm, der nächste 1,40m der dritte 2,80m und so weiter. Wo wärest Du dann nach 30 Schritten?

Ich löse das später auf.

Menschen denken linear

Wir Menschen sind biologisch gesehen ein ganz schön alter Hut. Unsere Hardware hat sich seit ca. 80.000 Jahren fast nicht verändert. Ja, wir sind insgesamt etwas gesünder und haben auch viele Erfahrungen gesammelt, unsere Umwelt verändert und unsere sozialen Strukturen entwickelt. Aber das Gehirn, dass all das steuert ist immer noch genau das gleiche, wie damals.

 

Wir haben auch noch nicht viel Erfahrung mit exponentiellen Entwicklungen in unserer Umwelt. Die erleben wir wirklich spürbar erst in den letzten Jahrzehnten. Tausende Jahre zuvor hat sich die Welt vom Zeitpunkt der Geburt eines Menschen bis zu dessen Tod nicht grundlegend verändert. Wir haben also gelernt, aus den Erfahrungen der Vergangenheit auf unsere Zukunft zu schließen. Dazu schreiben wir gedanklich das Erlebte einfach fort.

 

Das funktioniert heute leider nicht mehr. Vor etwa drei Jahren fragte ich einen Taxifahrer nach seiner Meinung zu autonomen Autos. Er meinte “Ach was, ich fahre ja nur noch 25 Jahre bis zur Rente. Das betrifft mich gar nicht.” 

 

Heute gibt es eine Teststrecke für autonome Fahrzeuge mitten durch die Hamburger Innenstadt im normalen Verkehr. Ab 2021 werden in der Hafencity in Hamburg autonome Busse erstmals Passagiere mitnehmen.

 

Der Taxifahrer wird möglicherweise in wenigen Jahren nur noch Beifahrer in seinem Taxi sein und älteren Passagieren beim Einladen des Gepäcks und beim Anschnallen helfen.

Ein gewaltiger Schritt zurück!

Hier kommt die Auflösung meines Gedankenspiels von eben. Wo landest Du, wenn Du dreißig Schritte machst, von denen jeder doppelt so weit ist, wie der vorherige?

 

Wenn ich diese Frage in Workshops stellen, dann bekomme ich häufig andere Stadtteile oder Nachbarstädte genannt. Ganz mutige sagen so etwas wie Amerika oder Australien.

 

Tatsächlich bringt Dich Dein dreißigster Schritt vom Mond zurück bis zur Erde!**


Fazit

Unsere linear geprägte Vorstellungskraft beschränkt uns also sehr leicht, wenn wir versuchen uns unsere Zukunft auszumalen.

 

Du solltest daher groß denken und mutig sein, wenn Du überlegst, wie das Geschäftsmodell Deines Unternehmens in ein paar Jahren aussehen könnte. 

 

Moonshot Thinking nennen Tech-Giganten wie Google, Amazon oder Facebook das. Sie setzen sich unvorstellbare Ziele wie z.B. das gesamte Wissen der Menschheit allen Menschen verfügbar machen und tasten sich dann nach und nach an das Ziel heran.

 

Dabei machen sie Pläne immer nur soweit, wie sie gucken können. Sheryl Sandberg (COO bei Facebook) sagte einmal: „Der Grund weshalb ich keinen Plan habe, ist dass ich dadurch auf die heutigen Möglichkeiten limitiert wäre.“***

 

Was ist Dein Moonshot?


* “The pace of change has never been this fast, yet it will never be this slow again.”

** Für die ganz skeptischen hier die Formel: 0,7m * 2^30 * 0,5

 

***  “The reason I don’t have a plan is because if I have a plan I’m limited to today’s options”

 

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