Taschenrechner Spiel (remote Version) 

Mich haben ein paar Fragen zu Spielmöglichkeiten per Videokonferenz erreicht. Insbesondere eine Alternative zum Taschenrechner Spiel interessiert einige von euch. 

 

Da ich den Taschenrechner regelmäßig eingesetzt habe, brauchte ich eine Alternative für die Corona Zeit. Ich fand keine und habe mir daher selbst etwas ausgedacht.

 

Das Ergebnis liest Du hier:

Vorbereitung und Rahmenbedingungen

Die technischen Voraussetzungen sind nicht sehr anspruchsvoll: Ein digitales Whiteboard (z.B. Mural oder Miro) und ein Videokonferenztool (MS Teams, Zoom, …) reichen aus.

Ich spiele das Spiel mit Gruppen von bis zu 10 Personen. Hast Du mehr Teilnehmer*innen, solltest Du mehrere Gruppen parallel spielen lassen. Dann ist es sehr hilfreich eine*n Co-Moderator*in zu haben, um die zweite Gruppe zu betreuen.

Ich lasse alle Gruppen gemeinsam auf einem Whiteboard arbeiten – allerdings in zwei getrennten Bereichen auf dem Board. Außerdem braucht jede Gruppe einen eigenen Breakout Room in Teams oder Zoom, um sich dort zum Vorgehen abstimmen zu können.

Als Moderator*in brauchst Du noch eine Stoppuhr, z.B. Dein Smartphone.

Das Spiel

Die Teilnehmer*innen finden einen Haufen unsortierter Zahlen vor, die sie in aufsteigender Reihenfolge sortieren sollen. 

Vor dem Spiel erklärst Du die Spielregeln. Dann erhält die Gruppe 1 Minute Zeit sich zu besprechen, wie sie die Aufgabe lösen möchte. Anschließend gibt sie eine Schätzung ab, wie viele Zahlen sie in einer Minute zusammenhängend und aufsteigend auf dem Whiteboard sortieren kann. Diese Schätzung notierst Du und startest eine Minute Spielzeit, um den Plan umzusetzen.

Anschließend notierst Du das tatsächliche Ergebnis.

Das Team startet mit einem erneuten Planning in die zweite Runde. Insgesamt lässt Du fünf Runden spielen.

Spielregeln

  • Sortiert im Zielfeld alle Zahlen von 1 bis 40 in aufsteigender Reihenfolge.
  • Ihr seid ALLE Mitspieler*innen in diesem Spiel.
  • Jede*r Mitspieler*in bewegt mindestens eine blaue und eine gelbe Zahl in das Zielfeld.

Wir spielen insgesamt fünf Runden

  • Vor jeder Runde habt ihr eine Minute Zeit zu überlegen, wie ihr eure Zusammenarbeit optimieren könnt, um euer Ziel zu erreichen.
  • Nach der Planung gebt ihr eine Schätzung ab, bis zu welcher Zahl ihr in einer Minute Spielzeit kommt.
  • Nachdem die Schätzung notiert wurde und das Startsignal gegeben wurde, setzt ihr euren Plan in die Tat um und spielt eine Minute.
  • Das tatsächliche Ergebnis wird notiert und die Diskussion bzw. Planung für die nächste Runde kann beginnen.

Ablauf

Du hast schon vor dem Spiel auf dem digitalen Whiteboard alles vorbereitet. Du findest weiter unten einen Download Link, der Dir mein Mural Board als .pdf Datei zeigt. Baue es einfach in Deinem Tool nach.

Vor der ersten Runde erklärst Du den Spielern die Spielregeln – Ich schreibe sie zum Nachlesen auch immer mit auf das Whiteboard. Wirst Du gebeten, die Regeln genauer zu erläutern, dann verweist Du einfach nur auf den Text. Dein Team wird auch im Alltag nicht jede Regel, an die es sich halten muss von einem Experten erklärt bekommen.

Danach bekommt das Team eine Minute (bei sehr großen Gruppen gerne auch zwei Minuten) Zeit, um zu besprechen, wie sie die Aufgabe bewältigen wollen. Gegen Ende der Besprechungszeit bittest Du um eine Schätzung, bis zu welcher Zahl die Gruppe kommen wird und schreibst diese Zahl in die vorbereitete Tabelle.

Die anschließende Spielrunde dauert eine Minute. Als Spielleiter achtest Du darauf, dass sich alle an die Regeln halten.

Am Ende notierst Du das erreichte Ergebnis ebenfalls in der vorbereiteten Tabelle.

Nach jeder Runde bekommt das Team erneut eine (zwei) Minuten Zeit, sich zu beraten, um die Zusammenarbeit im Team zu verbessern.

Beobachtungen

Du wirst beobachten können, dass Dein Team von Runde zu Runde mehr Zahlen schafft. Eventuell geht auch einmal eine Optimierung nach hinten los und in einer Runde gibt es einen Rückschritt.

Ich habe auch schon ein Team erlebt, dass nicht immer mehr Zahlen schaffte, dafür aber immer besser absicherte, dass keine Fehler passieren können.

Manche Teams brauchen auch keine 5 Runden, um alle Zahlen zu sortieren. Die meisten dieser Teams arbeiten dann an der Qualität, so dass die Zahlen im Zielbereich zum Beispiel besser ausgerichtet sind.

Manchmal ist auch die Performance des Tools nicht optimal. Sollte sich jemand darüber beschweren, so antworte, dass das wie im richtigen Leben ist. Auch dort gibt es immer wieder unerwartete Störungen, mit denen sich ein Team arrangieren muss. In der Regel finden die Teams einen Weg, die Auswirkungen der Störungen zu minimieren.

Ich habe es noch nie erlebt, dass keine Steigerung in der einen oder anderen Richtung passierte.

Nachbesprechung

Nach der letzten Runde brauchst Du eine freie Fläche für Notizen. Du fragst die Mitspieler*innen, was sie gerade erlebt haben und notierst die Antworten in Stichpunkten.

Frage nach einer Weile gerne mal, wer Chef gewesen ist. Meistens lautet die Antwort „Keiner“ manchmal auch „Jeder“ – das passt sehr gut zu der agilen Idee der selbstorganisierten Teams.

Frage auch, warum das Team versucht hat, sich von Runde zu Runde zu steigern. Es hat doch niemand eine entsprechende Vorgabe gemacht! Du hast ja immer nur betont, dass das Team seine Zusammenarbeit verbessern soll.

Wenn Du merkst, dass die Antworten weniger werden, Frage, ob das Ergebnis der letzten Runde auch erreicht worden wäre, wenn Du gleich zu Anfang die komplette Beratungszeit von 5 bzw. 10 Minuten gegeben hättest und danach nur genau eine Spielrunde gespielt würde. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Gruppe sich das zugetraut hätte.

Frage, warum sie sich das nicht zutrauen! Sie werden Dir erzählen, dass das Ausprobieren und Lernen aus den gemachten Fehlern fehlen würde.

Erkläre, dass jede dieser Besprechungen eine Retrospektive gewesen ist, in der das Team in die Vergangenheit zurück geguckt hat und daraus für die Zukunft lernen konnte. 

Jede Spielrunde ist das, was man in der agilen Welt eine Iteration nennt. 

Frage, wie oft sich das Team im Alltag solche Lernmomente gönnt. Erkläre, dass es nicht reicht, nur ein- oder zweimal im Jahr so eine Retro zu machen. Lies dazu mehr in meinem Artikel zu Retrospektiven.


Tipp

Probiere vor dem Spielen aus, in welchem Browser Dein Tool am besten funktioniert und sorge dafür, dass alle Mitspieler*innen diesen Browser nutzen. Teste auch alle Links auf dem Board vor dem Termin. Falls Dein Video-Tool keine nativen Breakout-Rooms bietet, bereite die Räume vor dem Training vor und tritt selbst schon dem Gruppenraum bei, in dem Du moderieren willst, so dass Du später ganz einfach dorthin wechseln kannst.

Browser können ganz schön speicherhungrig sein. Empfehle daher den Mitspieler*innen alle nicht benötigten Browsertabs zu schließen und auch sonst alle Programme zu schließen, die Du für Deine Session nicht brauchst.

So sieht mein Mural Board aus, dass ich für das Spiel benutze. Du kannst es in dem Whiteboard Tool Deiner Wahl nachbauen:

Nachtrag im Mai 2022: Inzwischen sind meine Mitspieler*innen schon sehr geübt im Umgang mit digitalen Whiteboards, daher wurde die Aufgabe zu einfach. Ich habe sie daher etwas erweitert. Die Zahlen müssen im Zielfeld nun zusätzlich ein zuvor von mir grob beschriebenes Bild darstellten. Zum Beispiel ein Haus mit einer Fahne daneben. Denke Dir gerne selbst etwas aus und färbe auch die Zahlen passend zum Gegenstand im späteren Bild ein.


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